Vortrag
Samstag, 5.12.2020, 10:00h

Beate Mitzscherlich

Zwickau

Heimat. Psychologische Dimensionen eines utopischen Begriffs

  Anmeldung für den Vortrag auf der Tagungsseite “Heimat. Wo alles bleibt, wie es nie war”.
 
 

Heimat ist mehr als ein privates Gefühl oder eine biografische Erfahrung. Es ist der geografische, soziale, kulturelle und utopische Raum, auf den hin personale und kollektive Identitäten bezogen und konstruiert werden. Er ist etwas, »was allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war« (Ernst Bloch). In einer mobilen, globalisierten und zunehmend digital vernetzten Welt ist die Frage, was vom traditionellen Verständnis von Heimat noch übrig bleibt – bzw. wie es Menschen gelingt oder gelingen kann, sich in einer Welt der »Nicht-Orte« (Marc Augé) zu beheimaten. Werden Bedürfnisse nach Vertrautheit, Zugehörigkeit, sozialer und kultureller Einbindung überhaupt noch an Lokalität geknüpft? Ist Heimat das letzte Refugium in einer zunehmend krisenhaften Moderne? Oder wird Heimat wieder zum Kampfbegriff und Ausgangspunkt von – nationalistischer, ethnischer, religiöser – Ausgrenzung? In meinem Vortrag möchte ich mich nicht nur mit der entwicklungs- und sozialpsychologischen Dimension von Heimat beschäftigen, sondern auch danach fragen, wie Beheimatung möglich ist und unterstützt werden kann.

Beate Mitzscherlich ist Professorin für Pädagogische Psychologie und Ethik im Gesundheitswesen an der Westsächsischen Hochschule Zwickau. Sie studierte Psychologie in Leipzig und Leningrad. 1995 wurde sie mit einer Arbeit zu den subjektiven Dimensionen von Heimat an der Freien Universität Berlin promoviert. Von 1992 bis 1999 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Sonderforschungsbereich 333 und forschte im Teilprojekt zu »Identitätsentwicklung, Erwerbskarrieren und sozialen Netzwerken junger Erwachsener«. Aktuell wirkt sie unter anderem am Projekt »O-Ton. Archiv der Wendeerfahrung« mit. Neben den psychologischen Dimensionen des Heimatbegriffs unter sich wandelnden gesellschaftlichen Verhältnissen widmet sie sich in ihren Publikationen auch der Pflege- und Medizingeschichte und geht Fragen der Instituionsethik nach.