Onlineveranstaltung
Donnerstag, 22.4.2021, 19:00h

Benjamin Zachariah

Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Universität Trier

Anticolonialism against Postcolonial Theory

Gesprächsleitung: Omri Boehm, New York

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In mancher Hinsicht ist die postkoloniale Theorie das erfolgreichste Produkt des geisteswissenschaftlichen Denkens unserer Zeit. Aus der universitären Forschung und der Literaturkritik heraus entstanden, hat sie sich zu einem wirkmächtigen Instrument entwickelt, um traditionell benachteiligte Gemeinschaften in Politik und Öffentlichkeit als Subjekte anzuerkennen. Doch mit diesem Erfolg setzte ein neuer Trend ein, Politik in holprigen Analogien zwischen Opfergruppen und in starren kollektiven Identitäten zu begründen. Die daraus erwachsende Rhetorik ist bewusst antirationalistisch, ja sie reproduziert und verfestigt die konstruierten Kategorien rassistischer und sektiererischer Vorstellungswelten, auch wenn diese Kategorien nun positiv statt negativ besetzt werden. Gleichzeitig lässt sich ein deutlicher Anstieg von Ad Hominem-Argumenten beobachten: Bestimmte Menschen sollen aufgrund dessen, wer sie sind, bestimmte Dinge nicht sagen dürfen.

Die Rechten greifen postkoloniale Ideen gerne als angeblich ultralinks an, obwohl sie selbst einige derselben Themen bedienen. Wie kann in dieser Situation die Zukunft des Antikolonialismus und sein Verhältnis zum Postkolonialismus aussehen? Wenn uns nichts mehr mit denjenigen verbindet, die nicht „wir“ sind, was können wir dann von anderen überhaupt noch einfordern?

Dr. Benjamin Zachariah ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der DFG-Leibniz-Forschergruppe „Vergleichende Zeitgeschichte der modernen Geschichtswissenschaften“ an der Universität Trier. Nach dem Studium der Geschichte am Presidency College in Kalkutta und am Trinity College der Universität Cambridge sowie der Promotion in Cambridge unterrichtete er an der Universität Sheffield. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen der Historiographie und der Theorie der Geschichtswissenschaften, des grenzüberschreitenden Ideenaustauschs im 20. Jahrhundert, internationaler Revolutionsnetzwerke und des globalen Faschismus. Zu seinen Buchpublikationen gehören: Nehru (2004), Developing India: an Intellectual and Social History, c. 1930–1950 (2005; 2. Auflage 2012), Playing the Nation Game: the Ambiguities of Nationalism in India (2011; 2. Auflage 2016) und After the Last Post: the Lives of Indian Historiography in India (2019) sowie als Mitherausgeber: The Internationalist Moment: South Asia, Worlds and World Views 1917–1939 (2015).

Omri Boehm ist Associate Professor für Philosophie an der New School for Social Research in New York.

Veranstaltung in englischer Sprache